Ratgeber
Wie ein Schlagschrauber funktioniert
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Kurz gesagt
Ein Schlagschrauber dreht zunächst wie ein normaler Schrauber. Wird der Widerstand zu groß, setzt das Schlagwerk ein: Ein federbelasteter Hammer löst sich, dreht ein Stück weiter und schlägt in Drehrichtung auf einen Amboss. Viele solcher kurzen Drehschläge pro Minute erzeugen ein hohes Drehmoment, das kaum als Rückdrehmoment im Handgelenk ankommt.
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Schlagschrauber drehen lange Schrauben ohne Vorbohren ein und lösen festsitzende Radmuttern, obwohl sie oft kleiner sind als ein Bohrschrauber. Wie gelingt das? Diese Seite erklärt das Schlagwerk Schritt für Schritt, ordnet Kennzahlen wie Schlagzahl und Drehmoment ein und zeigt, wofür ein Schlagschrauber geeignet ist und wofür nicht. Sie richtet sich an alle, die überlegen, ob sie neben dem Bohrschrauber einen Schlagschrauber brauchen.
Was ist ein Schlagschrauber?
Ein Schlagschrauber, auch Drehschlagschrauber genannt, ist ein Schrauber mit einem eingebauten Drehschlagwerk. Anders als beim Schlagbohrschrauber oder Bohrhammer wirken die Schläge nicht in Längsrichtung, sondern in Drehrichtung. Sie helfen also nicht beim Bohren in Stein, sondern beim Schrauben gegen hohen Widerstand.
Es gibt zwei Hauptbauformen: Schlagschrauber mit 1/4-Zoll-Innensechskant für Bits und Schlagschrauber mit Außenvierkant für Steckschlüsselnüsse. Die erste Variante ist im Holzbau und bei der Montage verbreitet, die zweite bei Radmuttern und im Metallbau. Was zusammenpasst, erklärt der Beitrag Schlagschrauber-Aufnahmen und Adapter.
Das Schlagwerk Schritt für Schritt
Im Inneren sitzen hinter dem Motor und dem Getriebe die Bauteile des Schlagwerks: eine Feder, ein Hammer, auch Schlaggewicht genannt, und ein Amboss, der mit der Werkzeugaufnahme verbunden ist. Hammer und Amboss haben Klauen, die ineinandergreifen.
- 1Motor: treibt die Spindel an
- 2Hammer: rastet aus und schlägt mit seinen Nocken
- 3Amboss: nimmt die Schläge auf und dreht die Aufnahme
- 4Feder: drückt den Hammer nach jedem Schlag zurück
- 5Bitaufnahme 1/4 Zoll: Sechskant für schlagfeste Bits
- 1
Bei geringem Widerstand drehen Hammer und Amboss gemeinsam. Der Schlagschrauber arbeitet wie ein normaler Schrauber.
- 2
Steigt der Widerstand, bleibt der Amboss mit der Schraube stehen, der Motor dreht weiter.
- 3
Der Hammer gleitet über eine schräge Führung nach hinten und spannt dabei die Feder.
- 4
Sind die Klauen aneinander vorbei, schnellt der Hammer durch die Federkraft nach vorn und weiter in Drehrichtung.
- 5
Er trifft mit hoher Geschwindigkeit auf die Klauen des Ambosses und überträgt einen kurzen, kräftigen Drehschlag auf die Schraube.
- 6
Der Vorgang wiederholt sich viele Male pro Sekunde, solange der Widerstand hoch bleibt.
Warum das Handgelenk entlastet wird
Bei einem Bohrschrauber wirkt das gesamte Drehmoment gleichmäßig zurück auf den Griff. Bei hohem Widerstand müssen Sie mit dem Handgelenk dagegenhalten, sonst verdreht es Ihnen das Gerät. Beim Schlagschrauber entsteht das hohe Drehmoment in sehr kurzen Impulsen. Die Masse des Hammers und die Trägheit des Geräts fangen einen großen Teil der Rückwirkung ab. Am Griff spüren Sie vor allem Vibration, aber kaum ein Verdrehen.
Deshalb lassen sich mit einem kompakten Schlagschrauber lange Holzschrauben eindrehen, bei denen ein Bohrschrauber in der Hand reißen würde. Auch Überkopfarbeiten werden angenehmer. Allerdings ist das Arbeiten lauter, Gehörschutz ist bei längerem Einsatz Pflicht.
Hinweis:Tragen Sie beim Arbeiten mit dem Schlagschrauber Gehörschutz und Schutzbrille. Verwenden Sie Torsionsbits und Kraftnüsse, die für Schlagbelastung freigegeben sind.
Schlagzahl, Drehmoment und Lösemoment
Hersteller geben bei Schlagschraubern meist drei Werte an. Die Leerlaufdrehzahl beschreibt, wie schnell das Gerät ohne Last dreht. Die Schlagzahl nennt, wie viele Schläge pro Minute das Schlagwerk maximal ausführt. Das Drehmoment wird als maximales Anzugsmoment und bei starken Geräten zusätzlich als Lösemoment angegeben.
Diese Werte werden unter Laborbedingungen gemessen, oft mit voll geladenem großem Akku. Sie eignen sich zum Vergleich innerhalb einer Marke. Zwischen Marken können Messmethoden abweichen. Das Drehmoment eines Schlagschraubers lässt sich zudem nicht direkt mit dem eines Bohrschraubers vergleichen, weil es in Impulsen statt gleichmäßig wirkt.
| Angabe | Bedeutung |
|---|---|
| Leerlaufdrehzahl (min-1) | Drehgeschwindigkeit ohne Last |
| Schlagzahl (min-1) | Schläge pro Minute unter Last |
| Max. Drehmoment (Nm) | höchstes Anzugsmoment nach Herstellerangabe |
| Lösemoment (Nm) | höchstes Moment zum Lösen festsitzender Muttern |
| Stufen und Modi | Begrenzung von Drehzahl und Schlag für feine Arbeiten |
Wofür sich ein Schlagschrauber eignet
Schlagschrauber sind ideal für lange Holzschrauben, Terrassen- und Konstruktionsschrauben, Gewindestangen, Schrauben in Metallprofilen und Radmuttern. Sie lösen auch festsitzende Verbindungen, bei denen ein Bohrschrauber durchrutscht. Für empfindliche Arbeiten wie kleine Schrauben in Möbeln oder Scharnieren ist ein Bohrschrauber mit einstellbarer Kupplung besser geeignet, weil Sie das Drehmoment fein begrenzen können.
Zum Bohren ist ein Schlagschrauber nur bedingt geeignet. Mit Sechskantbohrern lassen sich kleine Löcher in Holz bohren, für Präzision und Metall fehlt aber das Bohrfutter. Viele Anwender nutzen deshalb beide Geräte, oft als Set. Einen Vergleich bietet der Beitrag Akkuschrauber oder Schlagschrauber, Unterschiede zum Impulsschrauber erklärt Schlagschrauber oder Impulsschrauber.
Grenzen und Sicherheit
Ein Schlagschrauber zieht schnell sehr fest an. Kleine Schrauben können abreißen, Köpfe tief ins Holz einsinken. Nutzen Sie dafür eine niedrige Stufe. Radmuttern dürfen Sie mit dem Schlagschrauber lösen und vorziehen, das endgültige Anziehen erfolgt mit dem Drehmomentschlüssel auf den Wert des Fahrzeugherstellers. Wenn der Schlagschrauber eine Mutter nicht löst, hilft die Checkliste im Beitrag Schlagschrauber löst die Mutter nicht.
Häufige Fragen
Warum braucht man einen Schlagschrauber? Er dreht lange Schrauben und löst feste Muttern mit hohem Drehmoment, ohne dass das Handgelenk viel Rückdrehmoment abfangen muss. Für Holzbau, Montage und Radwechsel ist er deutlich angenehmer als ein Bohrschrauber.
Ist ein Schlagschrauber dasselbe wie ein Schlagbohrschrauber? Nein. Der Schlagbohrschrauber schlägt in Längsrichtung für kleine Löcher in Mauerwerk, der Schlagschrauber schlägt in Drehrichtung für hohe Drehmomente beim Schrauben.
Kann man mit einem Schlagschrauber bohren? Mit Sechskantbohrern sind kleine Löcher in Holz möglich. Für präzises Bohren und Metall ist ein Bohrschrauber besser geeignet.
Wann setzt das Schlagwerk ein? Erst wenn der Widerstand eine bestimmte Grenze überschreitet. Bei leichtem Schrauben dreht der Schlagschrauber ohne Schläge.
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